Erneuerbarer Wasserstoff und synthetisches Methan können zur Dekarbonisierung von Industrie, Energieversorgung und Verkehr beitragen. Ob Unternehmen diese Energieträger einsetzen, hängt jedoch wesentlich von den wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen ab. Zwei Publikationen aus dem Innosuisse Flagship-Projekt DeCIRRA untersuchen, welche Hemmnisse die Nachfrage bremsen und wo Politik und Wirtschaft ansetzen können.
Grundlage der Arbeiten ist eine Workshopserie mit Akteuren aus Wirtschaft, Verbänden und Forschung. Im Fokus standen vier Anwendungsbereiche: Hochtemperatur-Prozesswärme in der Industrie, der Stromsektor, der Schwerverkehr und die stoffliche Nutzung in der chemischen Industrie. Der darauf aufbauende Bericht von Markus Schreiber, Universität Luzern, analysiert die rechtlichen Rahmenbedingungen und ordnet die Erfahrungen und Einschätzungen der beteiligten Akteure ein.
Die Ergebnisse zeigen: Hohe Kosten gegenüber fossilen Alternativen, Unsicherheiten über die künftige Verfügbarkeit erneuerbarer Gase und fehlende Infrastruktur erschweren Investitionsentscheidungen. Hinzu kommen regulatorische Anreize, die sich auf Standortwahl und Nutzungspfade auswirken. So können Vorgaben zu Netznutzungsentgelten die Wasserstoffproduktion nahe bei der Stromerzeugung begünstigen – mit möglicherweise längeren Transportwegen zu industriellen Verbrauchern.
Eine zentrale Herausforderung ist die gegenseitige Abhängigkeit von Nachfrage und Infrastruktur: Unternehmen benötigen eine verlässliche Versorgung, bevor sie ihre Anlagen umstellen. Investitionen in Produktion und Transport wiederum setzen eine ausreichende Nachfrage voraus. Die Publikationen zeigen Ansatzpunkte, um diese Hürde zu überwinden: langfristige Planungssicherheit, geeignete wirtschaftliche Anreize, die Unterstützung des Infrastrukturaufbaus und der Anlagenumrüstung sowie der Abbau regulatorischer Fehlanreize.
Der ausführliche Bericht vertieft die sektoralen Herausforderungen und ihre rechtlichen Zusammenhänge. Der ergänzende Policy Brief fasst die wichtigsten Erkenntnisse und politischen Handlungsempfehlungen kompakt zusammen. Beide Publikationen vom Juni 2025 stehen zum Download bereit.